Das Jahit-Sytky-Taranci-Museum – das Haus des Dichters aus dem schwarzen Stein von Diyarbakır
Im historischen Stadtteil Sur von Diyarbakır, nur wenige Schritte von der Großen Moschee entfernt, steht ein zweistöckiges Haus aus Basalt, das 1733 erbaut wurde. In seinen Mauern wurde 1910 Jahit Sytky Tarangi geboren – einer der feinfühligsten Lyriker der türkischen Poesie des 20. Jahrhunderts. Heute heißt dieser Ort „Jahit Sytky Tarangi-Museum“. Das Gebäude ist seit 1973 für Besucher geöffnet und beherbergt 152 persönliche Gegenstände des Dichters und seiner Familie. Das Jahit Sıtkı Tarancı Museum ist nicht nur ein Hausmuseum: Es ist ein Modell eines traditionellen Diyarbakırer Wohnhauses aus dem 18. Jahrhundert, bei dem die vier Flügel um einen quadratischen Innenhof herum den vier Jahreszeiten entsprachen und die Architektur selbst vom Rhythmus des Lebens in dieser Stadt über Jahrhunderte hinweg erzählt.
Geschichte und Entstehung des Cahit Sıtkı Tarancı-Museums
Cahit Sıtkı Tarancı wurde am 2. Oktober 1910 in Diyarbakır geboren, im größten Raum des Sommerflügels dieses Hauses – dem sogenannten başoda („Hauptraum“). Der Dichter verbrachte hier seine Kindheit und Jugend und zog anschließend nach Istanbul. Er wurde 46 Jahre alt und starb 1956. Seine Dichtung zeichnete sich durch besondere Intimität und feinen Lyrismus aus; die zu seinen Lebzeiten und posthum erschienenen Gedichtsammlungen bilden einen wichtigen Abschnitt in der Geschichte der modernen türkischen Literatur.
Das Gebäude selbst wurde 1733 erbaut – das heißt, zum Zeitpunkt von Taranjis Geburt war es bereits fast zwei Jahrhunderte alt. Als Baumaterial diente Basalt, aus dem das gesamte historische Diyarbakır erbaut ist. Dieser schwarze Vulkanstein verleiht der gesamten Altstadt ein besonders raues Aussehen, das sich von keiner anderen türkischen Stadt unterscheidet.
Nach dem Tod des Dichters stand das Haus leer und verfiel allmählich. Im Jahr 1973 erwarb es das türkische Kulturministerium. Nach Restaurierungsarbeiten wurde das Haus am 29. Oktober 1973 – dem Tag des 50. Jahrestags der Ausrufung der Türkischen Republik – als Gedenkmuseum eröffnet. Die Wahl des Datums war symbolisch: Der Geburtstag der Republik wurde gleichzeitig zum Geburtstag des Museums.
Im Jahr 2003 wurde das Gebäude erneut restauriert. Die nächste umfassende Restaurierung und Erneuerung der Ausstellung fand in den Jahren 2011–2012 statt: Die Arbeiten begannen am 1. Mai 2011 und wurden am 1. August 2012 abgeschlossen. Das renovierte Museum wurde am 18. Mai 2012 – dem Internationalen Tag der Museen – eröffnet. Im Museum werden 152 Exponate aufbewahrt: persönliche Gegenstände des Dichters, Haushaltsgegenstände der Familie, Dokumente und Fotografien.
Architektur und Sehenswürdigkeiten
Das Museumsgebäude ist an sich schon ein Denkmal – ein Beispiel für ein traditionelles Diyarbakırer Wohnhaus aus dem 18. Jahrhundert. Äußerlich wirkt es unscheinbar: dunkle Basaltwände, ein von der Straße abgeschirmter Innenhof, ein Minimum an Dekoration an der Fassade. Doch sobald man den Innenhof betritt, eröffnet sich eine andere Raumlogik.
Architektur der vier Jahreszeiten
Das Gebäude besteht aus vier symmetrischen Flügeln, die um einen quadratischen Innenhof angeordnet sind. Jeder Flügel entsprach einer bestimmten Jahreszeit: Der nördliche wurde im Sommer genutzt, der östliche im Frühling, der südliche im Winter und der westliche im Herbst. Das ist nicht nur eine poetische Metapher: Die Ausrichtung der Räume zur Sonne hin wurde sorgfältig durchdacht, um zu jeder Jahreszeit ein angenehmes Mikroklima zu gewährleisten. Ein solches System der Wohnraumgestaltung wird in der traditionellen türkischen Architektur als „Vier-Jahreszeiten-Haus“ (dört mevsimlik ev) bezeichnet und ist ein eindrucksvolles Beispiel für klimatische Architektur, lange bevor dieser Begriff überhaupt geprägt wurde.
Başoda – das Hauptraum
Im Sommerflügel (Nordflügel) im zweiten Stock befindet sich die Başoda – der Hauptraum des Hauses. Davor befindet sich ein Aiwan mit Doppelbogen – eine offene Galerie, die für die anatolische Wohnarchitektur typisch ist. Genau in der Başoda wurde der Dichter geboren – es ist der geräumigste und repräsentativste Raum des Gebäudes, der in traditionellen Häusern für den Empfang von Gästen und wichtige Familienfeiern vorgesehen war.
Küche, Hamam und 14 Zimmer
Die Küche befindet sich in der nordöstlichen Ecke, die als Aiwan gestaltet ist. In der südwestlichen Ecke befindet sich das Hamam (Bad). Insgesamt umfasst das Gebäude 14 Räume unterschiedlicher Größe, einen Vorratsraum und eine Toilette. Der zweistöckige Teil des Sommerflügels ist der repräsentativste Teil des Hauses: Hier befinden sich die meisten Exponate und die Innenräume der damaligen Zeit wurden originalgetreu nachgebildet.
Ausstellung: Gegenstände des Dichters
Die 152 Gegenstände in den Vitrinen und auf den Regalen sind keine monumentalen Relikte, sondern intime Zeugnisse des Lebens: ein Schreibtisch, Bücher, Brillen, Manuskripte, Familienfotos, Kleidung, persönliche Briefe. Das Museum stellt bewusst die Atmosphäre eines bewohnten Hauses nach und nicht die einer offiziellen Gedenkstätte. Der Besucher fühlt sich als Gast und nicht als Tourist vor einer Vitrine.
Interessante Fakten und Legenden
- Cahit Sıtkı Tarancı wurde nur 46 Jahre alt (1910–1956). Sein 1946 verfasstes Gedicht „Otuz Beş Yaş“ („Fünfunddreißig Jahre“) gilt als eines der bekanntesten Werke der modernen türkischen Poesie über Alter und Zeit.
- Das Museum wurde am 29. Oktober 1973 eröffnet – genau zum 50. Jahrestag der Türkischen Republik. Dieser Zeitpunkt wurde bewusst gewählt: Tarancis literarisches Erbe wurde als Teil des kulturellen Fundaments des neuen Landes verstanden.
- Das Gebäude wurde 1733 erbaut – es ist also fast doppelt so alt wie der Dichter selbst und mehr als doppelt so alt wie die Türkische Republik. Drei Jahrhunderte Basaltmauern bewahren Schichten der Geschichte, die weit über das Schicksal eines einzelnen Menschen hinausreichen.
- Der traditionelle Grundriss der „vier Jahreszeiten“ mit separaten Flügeln für Winter, Frühling, Sommer und Herbst spiegelt einen klimatisch durchdachten Ansatz für das Wohnen wider, der für anatolische Städte mit starken saisonalen Temperaturschwankungen charakteristisch ist.
- In der Nähe des Tarancı-Museums in Diyarbakır befindet sich ein weiteres ähnliches Hausmuseum – das Ziya Gökalp Müzesi, das dem Begründer des türkischen Nationalismus gewidmet ist. Beide Gebäude sind aus Basalt, beide stammen aus dem 18. Jahrhundert, beide liegen im Stadtteil Sur.
Anreise
Das Museum befindet sich im historischen Stadtteil Sur in Diyarbakır, in der Nähe der Großen Moschee (Ulu Cami). Der Flughafen Diyarbakır (DIY) wird von Direktflügen aus Istanbul, Ankara und Izmir angeflogen. Vom Flughafen ins Zentrum sind es mit dem Taxi etwa 15–20 Minuten oder mit dem Stadtbus. Das Sur-Viertel ist vom Zentrum aus zu Fuß erreichbar; das Parken am Basalttor ist schwierig – es ist besser, das Auto im Zentrum abzustellen und zu Fuß zu gehen.
Von anderen Städten in Südostanatolien – Gaziantep, Şanlıurfa, Batman – verkehren regelmäßige Busse. Der Busbahnhof von Diyarbakır ist durch Dolmuşes und Minibusse mit dem Stadtzentrum verbunden.
Tipps für Reisende
Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet; montags ist es geschlossen. Informieren Sie sich bitte im Voraus über die Öffnungszeiten. Der Eintritt ist kostenpflichtig, aber symbolisch. Für die Besichtigung sollten Sie 45–60 Minuten einplanen; wenn Sie sich für die Architektur des Innenhofs interessieren, können Sie hier auch mehr Zeit verbringen.
Kombinieren Sie den Museumsbesuch mit einem Spaziergang durch Sur: Die Große Moschee (Ulu Cami), die Behram-Pascha-Moschee (Behram Paşa Camii) und das Ziya-Gökalp-Museum (Ziya Gökalp Müzesi) sind alle zu Fuß erreichbar. Die Basaltgassen von Sur sind besonders schön bei Sonnenuntergang, wenn der schwarze Stein einen goldenen Schimmer annimmt.
Das Fotografieren im Museum ist in der Regel erlaubt, fragen Sie jedoch zur Sicherheit beim Personal nach. Wenn Sie sich für türkische Poesie interessieren, versuchen Sie, vor Ihrer Reise einige Gedichte von Tarancı zu lesen: Die übersetzten Gedichte helfen Ihnen, den Raum zu Hause anders zu erleben. Das Jahit Sıtkı Tarancı-Museum ist ein Ort, an dem sich Basaltwände und das Schicksal des Lyrikers überlagern und ein Bild von Diyarbakır schaffen, das in keinem Reiseführer zu finden ist.